Nicol von Schönberg (185)

Nicol von Schönberg (185)

* 1544 † 07.12.1604

Herr auf Mylau

Nicol von Schönberg * 1544, † 07.12.1604

Inschrift

IM MDC VND IIII IHAR · DEN · VII XBRII / VMB IX VND X VHR ZV ABEND IST IN GOTT SELIGLICH • ENTSCHLAFFEN • DER / [E]DLE GESTRENGE VND EHRENVESTE / NICOL VON SCHÖNBERG AUFF ṂYLAU SEIN[ES] [ALT]ERS LX IHAR DEM / GOTT // GNADE LIGT / ALHIER BEGRA//BEN


Im 1600 und 4. Jahr den 7. Dezember um 9 und 10 Uhr zu Abend ist in Gott seeliglich entschlafen der edle gestrenge und ehrenfeste Nicol von Schönberg auf Mylau, seines Alters 60 Jahre, dem Gott gnade. Liegt allhier begraben.

Anmerkungen

Nicol besuchte die Fürstenschule in Meißen und war später Mitglied des Engeren Ausschusses, dem wichtigsten Entscheidungsgremium der Ritterschaft, deren Landtagsakten er verwahrte. Außer den vier früh verstorbenen Kindern hatten Nicol und Martha einen weiteren Sohn, der wie sein Vater und Großvater ebenfalls den Namen Nicol trug und eine Tochter Martha. Wie man sich leicht vorstellen kann, führen diese Wiederholungen der Vornamen schnell zu Verwirrungen. Auch deshalb haben alle männlichen Familienmitglieder neben ihren Lebensdaten eine Nummer im Stammbaum, um sie richtig zuordnen zu können. So trägt Großvater Nicol die Nummer 132, „unser“ Nicol die 185 und sein Sohn Nicol die 254. Diese Nummern sind immer in Klammern hinter den Namen angegeben.
Interessanten Einblick in die Lebenswelt des 16. Jahrhunderts gibt ein Inventar der Burg Mylau, das nach Nicols Tod angelegt wurde (siehe M. Donath). Neben zahlreichen Wirtschaftsräumen wie Wein- und Bierkeller, Reit- und Pferdestall, Vorratskammern, Backhaus, Harnischkammer, Mangelboden und drei Getreideböden nennt es als einzigen Raum mit einem Ofen die Wohnstube. Hier lagerte auch ein Teil der Waffen, u. a. zwei Degen, zwei Spieße, ein Gewehr und ein Dolch. Neben der Wohnstube befand sich die Schreibkammer, wo Rittergutsverwaltung und Schriftverkehr abgewickelt wurden und die Akten lagerten. Der „große Saal“ der Burg wurde offensichtlich nicht genutzt, sondern diente als Abstellraum. Dort fanden sich Kinderbetten, ein Kinderwagen, drei Badewannen, Bälge erlegter Tiere und große Mengen Tischwäsche. Tische und Bänke waren nach Bedarf vorhanden, ebenso verschiedene einfache und Himmelbetten und deren Bettzeug. Stühle und Sessel fehlen hingegen im Inventar. Ein Boden diente der Aufbewahrung der Jagdnetze. Nicht immer übte der Grundherr die Jagd selbst aus. Nicols Vater hatte seine Jagden auf Bären, Hirschwild, Rehwild, Schweine, Wölfe sowie den „hohen Vogelfang“ auf Auer- und Birkhähne, Fasane und Haselhühner an Kurfürst August („Vater August“) für 100 Gulden jährliches Jagdgeld verkauft. Die Jagd auf Hasen und der Fang kleiner Vögel gehörte dagegen mitunter auch zu den Rechten der Stadtbürger.
Bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts gab es auf den Burgen oftmals weder Wasserversorgung noch zeitgemäße Heizungen. Demzufolge war es leicht, das Plumpsklo „auch mit weniger fein empfindlicher Nase“ (Otto-Friedrich v. Schönberg (614), 1924–2008) zu finden.

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