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Restaurierung und Umnutzung
einer historischen eisernen Truhe
(Susanne Mayer)

Bisher diente eine kleine Holzdose als Sammelbox für Spenden zur Erhaltung der Kunstschätze im Freiberger Dom.

Doch nun steht eine umfangreiche Sanierung des gesamten Kirchenschiffes ins Haus und der Spendenaufruf muss offensichtlicher werden. So begann der Förderverein am Dom St. Marien Freiberg e.V. 2024 ein außergewöhnliches Projekt: die Konservierung und Ertüchtigung einer historischen Truhe zur unübersehbaren Spendenbox.

Die erste Hürde war das zerstörungsfreie Öffnen dieser Truhe, denn einen Schlüssel gab es nicht mehr.

Die Firma Ostmann und Hempel, ein erfahrener Fachbetrieb für Metallrestaurierung aus Wilsdruff bei Nossen, öffnete die Truhe unter Zuhilfenahme selbstgebauter Werkzeuge.

Zum Vorschein kam auf der Deckelinnenseite ein komplexes Schließsystem, bestehend aus 10 Riegeln, welches über einen von außen einzusteckenden Schlüssel bedient wird.

Zwei heute nicht mehr vorhandene Vorhängeschlösser auf der Vorderseite dienten als zusätzliche Sicherung. Die Truhe, welche bisher recht unbeachtet im Aufgang zur Großen Silbermann Orgel stand, entpuppte sich als ein eindrucksvolles Zeugnis historischer Metallkunst des 17. Jahrhunderts.

In Absprache mit der zuständigen Denkmalpflege wurden folgende Konservierungsmaßnahmen vorgenommen:

  • umfangreiche und differenziert ausgeführte Reinigungsarbeiten mit Bürstchen, Glasradierer oder dem Skalpell
  • Schutz metallischer Glanzflächen mit Cosmoloid, ein mikrokristallines säurefreies Wachs
  • Bestreichen der Truhenaußenflächen mit Owatrol, ein modifiziertes Leinöl

Beim Reinigen der Truhenaußenseiten wurden Reste einer ursprünglich farbigen, floralen Bemalung freigelegt.
Neben dem Erhalt der Truhe stand nun der Umbau zu einer Spendentruhe an. Für die neue Nutzung galt es vor allem sicherheitsrelevante Probleme zu bedenken. So zum Beispiel muss der Deckel sicher offen stehen können, die Truhe mit entsprechenden Gewichten versehen und trotzdem transportabel sein oder das Geld einerseits sicher verwahrt anderseits für Befugte leicht entnehmbar sein.
Die Fachfirma baute ein Metallgestell mit zusätzlichen Gewichten und zwei Haltebügeln für den Deckel. Sicherheitsglas schützt das Geld und den Schließmechanismus auf der Deckelinnenseite.
Welche Funktion die historische Truhe einst hatte, ist heute nicht mehr bekannt. Vielleicht gehörte Sie der 1553 von Kurfürst Moritz gegründeten Armenkastenstiftung. In der Goldenen Pforte erfolgte bis 1889 eine wöchentliche Austeilung von Almosen an die Armen und Bedürftigen. Oder sie war auf Grund der aufwendigen Gestaltung des Schließssytems und der farbigen Gestaltung der Außenseiten eine Schmucktruhe

Seit Sommer 2025 steht die restaurierte Truhe an prominenter Stelle für die Sammlung von Spenden für die bevorstehende Domsanierung bereit.

Mit diesem Projekt setzt der Förderverein zum wiederholten Male ein sichtbares Zeichen seiner Aktivitäten zur Bewahrung der historischen Kunst- und Kulturgüter im Dom St. Marien zu Freiberg.